Expedition nach Ladakh

© Stephan Mettler
© Stephan Mettler


Ankunft in Indien

Wir sitzen im Entré des Hausbootes Chicago inmitten des Dal Lake im Zentrum von Srinagar. Wir befinden uns auf ca. 1600m Höhe und trinken unseren ersten indischen Chai. Das Wetter spielt aufgrund der Regenzeit nicht ganz so mit, es ist bewölkt bei warmen 30 °C. Die Lage von Srinagar ist perfekt um sich an die bevorstehenden 4000m zu gewöhnen.

Der Flug nach Delhi und weiter nach Srinagar verlief unerwartet angenehm.

Wir erreichten den Flughafen Srinagar am Nachmittag und hörten den ersten Muezzin von einer nahegelegenen Moschee beten. Sofort bemerkten wir den sehr muslimischen Norden Indiens.

Zudem wurde uns schnell das indische Verkehrsverhalten beigebracht: Hupen und Fahren!

Shikara-Boote bringen uns zu unserem Hausboot und wir sehen zum ersten Mal unsere Zimmer. Verziert mit kashmirischen Schnitzereien und ausgelegten Teppichen wurden wir direkt in die nordindische Welt entführt. Nach einem kurzen Schläfchen wurden wir mit Kashmiri-Tee begrüßt. Mit einem anschließendem typisch indischem Essen verspürten wir die Schärfe der regionalen Küche. Bei gemütlichem Beisammensein ließen  wir den ersten Abend in Indien ausklingen. Wir hoffen auf weitere erfolgreiche und spannende Tage.


Srinagar

Am ersten Morgen wurden wir schon um 5:00 Uhr durch die Rufe zum Gebet durch den Muezzin geweckt. Nachdem man noch einmal eingedöst war, begann mit dem Sonnenaufgang ein Hahn zu krähen, sodass man zum Aufstehen gezwungen wurde. Nach einem leckeren Frühstück starteten wir gestärkt in den Tag. 

Zuerst ging es zum Tempel Shankaracharya. Um diesen zu erreichen mussten wir 243 Stufen erklimmen. Als dies geschafft war, erwartete uns neben dem Tempel ein wunderbarer Ausblick über die Stadt Srinagar. Den Tempel besuchen die

gläubigen Hindus  zur Stärkung der Fruchtbarkeit. In diesem erwartete uns unter dem Duft von Räucherstäbchen ein Priester, welcher unter lauten Rufen der mit uns versammelten Gläubigen, jedem von uns einen roten Punkt auf die Stirn gab, einen Segen sprach und allen eine Gabe schenkte. 

Nach diesem Erlebnis, welches wir mit Hunderten Hindus teilten, gab es am Fuße des Berges noch ein leckeres Essen, welches aus Nanbrot, Kichererbsen und Quinoa bestand.

Durch dieses Essen frisch gestärkt ging es weiter zu den Mughal Gardens. Ein wunderschön angelegter Garten am Rande Srinagars. Da wir als Deutsche selten als Touristen gesehen werden, wurden wir vermehrt von Einheimischen um Fotos gebeten.

Nach diesen erlebnisreichen Stunden trafen wir uns bei "Nick the Jeweller", einem kleinen Schmuckgeschäft, mit Claudia, Rainer und Volker, den drei Ärzten welche mit uns nach Sani fahren, um dort weitere Details bezüglich unseres Projektes zu besprechen. Danach ging es mit einem Taxi und dem Bürgermeister Sanis Sonam Ghatzu, welcher uns in die Altstadt Srinagars mitnahm. Dort besuchten vorerst einige von uns die größte Moschee der Stadt. Die Mädchen bekamen eine Robe und ein Kopftuch, um sich dem muslimischen Glauben passend zu kleiden. Fertig mit den Vorbereitungen konnten wir den tollen Innenhof der Moschee sowie deren Gebetsräume besichtigen. 

Weiter ging es für uns zu einem Gewürzladen, indem wir mit einem großen Mix aus  verschiedensten Gerüchen empfangen wurden und viele von uns die Möglichkeit ergriffen, ein paar indische Gewürze zu erwerben. 

Nach einem solch tollen aber doch anstrengenden Tag machten wir uns auf den Weg zurück zu unseren Hausbooten. Hier erwartete uns ein leckeres Abendessen,  welches wir mit größtem Appetit verspeisten und den Tag im gemütlichen Zusammensein ausklingen ließen.


Das Projekt

Nach zwei anstrengenden Tagen im Auto, in denen wir die volle Pracht des Himalaya genießen durften, erreichten wir gegen Abend das kleine Dorf Sani im Zanskar Valley. Sonam Gazo, der Bürgermeister des Ortes und langjähriger Freund von Rainer Lezius, lud die ganze Truppe zum Abendessen ein und stellte uns den Familien vor, in denen wir die nächsten 8 Tage wohnten. Am darauffolgenden Morgen starteten wir mit einer Begehung des Schulgeländes. Hierbei wurde die Fläche für das Volleyballfeld abgesteckt und die mitgebrachte Tischtennisplatte in der Schule aufgebaut. Mit großer Begeisterung stürzten sich Jung und Alt auf das neue Sportgerät. Nach einer kleinen Akklimatisierungsphase starteten wir am nächsten Morgen mit der Materialbeschaffung. Neben den Stangen für das Netz mussten Bagger, LKW, Zement, Steine und über 60qm Sand besorgt werden. Dank der großen Hilfsbereitschaft der Bewohner von Sani gelang es, das gesamte Material noch am selben Tag bereitzustellen, sodass wir am Morgen des vierten Tages mit dem Bau beginnen konnten. Nachdem das Feld ausgehoben und die Erde abtransportiert wurde, begannen wir mit den Einwohnern bis spät in die Nacht das Volleyballfeld mit Sand zu füllen. Am fünften Tag widmeten wir uns der fachgerechten Ausrichtung und Montage der Stangen, über die das Netz später gespannt werden sollte. Nach Abschluss der Arbeiten initiierten wir ein großes Volleyballturnier.

 

„ DPSG Heimbach-Weis vs. Ladakhis

 

Zunächst glaubten wir, den Jungs und Mädels aus Sani, durch unsere schulsportliche Vorbildung in Volleyball, überlegen zu sein, doch die Kondition auf über 3500m wies uns schnell Grenzen auf. Auf Grundlage dieser zweiseitigen Defizite blieb das Turnier fair und spannend bis zum Schluss. Im Anschluss versammelten wir uns mit allen zur gemeinsamen Zahnputzaktion. Unter Anleitung von Claudia und Volker Weber aus Aachen lernten die Kinder und Jugendliche theoretische Kenntnisse über Zahnerkrankungen und die Notwendigkeit der regelmäßigen Zahnpflege. Praktische Tipps gab es anschließend beim großen Zähneputzen vor der Schule. 

Der folgende Tag galt den Patenkindern. Rainer Lezius und Paula Roos überreichten die mitgebrachten Briefe und Geschenke und stellten den Kindern ein paar Fragen zum Verlauf der schulischen Ausbildung. Dank der überaus großen Spendenbereitschaft aus der Heimat war es uns möglich, eine Patenschaft für ein Kind aus Sani zu übernehmen. Dawa Tsangpo, ein talentierter Junge aus Sani, erhält die nächsten 8 Jahre finanzielle Unterstützung von uns, um so seinen Schulabschluss zu erlangen. 

Am letzen Abend lud uns das ganze Dorf zum Dankesfest in das dorfeigene „Vereinsheim“ ein. Bei Tanz und Musik verbrachten wir ein paar schöne Stunden zusammen mit allen Eltern und Kindern. Abschließend bedankte sich der Ortsvertreter der Patenkinder bei allen Pfadfindern für die Hilfe und das Engagement, dass sie dem Dorf gegenüber brachten. Mit den Worten seiner Heiligkeit des 14. Dalai Lamas beendete er seine Rede:

„ Wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe. Die Pfadfinder aus Deutschland haben den Weg zu einer lebenslangen Freundschaft gefunden.“ 


Leh, Ladakh

Nach einem erfolgreichen Projektabschluss in Sani begaben wir uns auf die Weiterreise nach Leh. Nach 17 Stunden Autofahrt über etliche Pässe und unbefestigte Straßen erreichten wir in den späten Abendstunden die wundervolle Bergstadt in der Region Ladakh. Leh gehört zu den höchstgelegenen, ständig bewohnten Städten der Erde und ist größtenteils von Buddhisten bewohnt.

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten wir am nächsten Morgen unsere Erkundungstour durch die Gassen und Märkte der Stadt. Ob kulturell oder kulinarisch, hier war für jeden etwas dabei. Angefangen bei der „German Bakery“, die uns wundervolle Zimtrollen servierte über die zahlreichen Streetfoodstände, bis hin zur Penguinbar, in der man das ein oder andere kühle Bier genießen durfte, verhungern oder verdursten musste hier niemand. Ein weiteres Highlight waren die zahlreichen Shops, in denen man die bekannten Pashmina-Schals erwerben konnte. Hierbei musste mit Geschick und Feingefühl gehandelt werden um den besten Preis für die beste Qualität zu erlangen.

Den letzten Tag in Leh verbrachten wir auf dem Zanskar-River beim Rafting. Dank der professionellen Begleitung mehrerer Kajakfahrer aus der ganzen Welt konnten wir die atemberaubende Tour durch die vielen Stromschnellen sorgenfrei genießen und so blieb am Ende niemand trocken. Doch die entspannte und ruhige Zeit im Norden Indiens nahm so langsam ein Ende. Jetzt hieß es Kopf zusammen halten und auf ins „wahre“ Indien nach Varanasi, die heilige Stadt der Hindus am Ganges. 


Varanasi, willkommen im richtigen Indien!

Im Anschluss an eine erholsame Zugfahrt, erreichten wir in den Morgenstunden Varanasi. Von dem angenehmen Klima in den Bergen des Himalaya konnten wir hier nur träumen. 36 Grad und über 90% Luftfeuchtigkeit zeigten uns den Einstieg ins „wahre“ Indien. Schon der Weg zum Hostel bereitete uns viele Eindrücke über das Leben der Menschen vor Ort. Kleine, schmale Gassen, Kühe an jeder Ecke, zwischendurch etliche Motoradfahrer und ein Geruch der es in sich hat. Doch zwischen all diesem Gewusel findet man ab und zu ein nettes „Lokal“ zum Verweilen. Unser persönliches Highlight war die „Blue Lassi Bar“. Hier gab es die besten selbst gerührten Lassis die viele von uns jemals getrunken hatten. 

 

Am Abend begaben wir uns in Richtung Ganges und schauten vom Wasser aus auf die Heilige Zeremonie „Ganga Aarti“. Ein faszinierendes religiöses Ritual welches jeden Abend in den drei Heiligen Städten, Rishikesh, Haridwar und Varanasi, am Ganges stattfindet. Im Anschluss an dieses tolle Ereignis fuhren wir zu einem der „burning Ghats“ und ließen uns die Tradition der Leichenverbrennung erklären. Der Nächste Tag startete mit einem Rundgang durch die alten Gassen der Stadt. Wir wurden in einen Tempel eingeladen und unterstützen anschließend die heimische Straßenküche durch unsere hungrigen Gemüter. Am Abend hieß es Abschied nehmen von der ältesten, dauerhaft bewohnten Stadt der Welt, denn unser Zug nach Delhi stand schon bereit.